Freitag, 30 Dezember 2016 17:49

Brain-Computer-Interface: Vollständig gelähmte Patienten kommunizieren wieder

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Genf/Tübingen – Obwohl Patienten mit Locked-In-Syndrom keine motorische Kontrolle über ihren Körper haben, können sie mithilfe einer Gehirn-Computer-Schnittstelle kommu­nizieren (englisch: Brain Computer Interface, BCI). Einem internationalen Team um den Neurologen Niels Birbaumer von der Universität Tübingen ist es gelungen, vier vollständig gelähmten Patienten Fragen zu stellen, die diese dann einzig mittels ihrer Gedanken mit ja oder nein beantworteten.

 

Angehörige von vollständig gelähmten Pati­en­ten stehen nun Schlange, berichtet Birbaumer. Für eine kommerzielle Lösung habe sich jedoch aufgrund der geringen Betroffenenzahl noch kein gewerblicher Anbieter gefunden. Die Ergebnisse sind inPLOS Biology erschienen (2017; doi: 10.1371/journal.pbio.1002593).

Das internationale Team um den Neurologen Niels Birbaumer bringt zwei Möglich­kei­ten, Hirnaktivität zu messen, zusammen: die Nahinfrarotspektroskopie (NIRS) und die Elektroenzephalografie (EEG). Dabei wird über die Kopfhaube unter anderem die Veränderung des Sauerstoffgehalts im Blut des Gehirns gemessen, die ein Zeichen für die Aktivität der jeweiligen Hirnregion ist.

Während die vier Patienten, die an amyotro­pher Lateralsklerose (ALS) litten, 100 bis 150 Fragen in Gedanken beantworten, justieren die Forscher die Messmethoden so, dass danach eine Treffer-Wahrschein­lichkeit von etwa 70 Prozent bei den Antworten gegeben ist. „Das ist nicht schlecht“, sagt Birbaumer. Bei Gesunden sei die Quote nicht unbedingt höher, da sie nicht immer aufpassen.

„Im Gegensatz zu früheren Studien gelang die Entschlüsselung der NIRS-Signale online und nicht erst im Nachgang in Rahmen einer Offline-Analyse“, erklärt Andreas Bender, Chefarzt am Therapiezentrum Burgau, Elektrophysiologie-Experte bei Patienten mit schweren Hirnschädigungen. Dies erlaubte es, den Patienten direkt Rückmeldung über die von ihnen ausgewählte Antwort zu geben. „So wird das Gefühl einer tatsächlichen Kommunikation vermittelt.“

Birbaumer hat die Erleichterung bei den Familienangehörigen miterlebt, wieder mit den gelähmten Menschen kommunizieren zu können, erzählte er. Auch die Pflege werde vereinfacht, wenn der Patient Fragen beantworten kann. Die BCI-Kommunikation ist sehr anstrengend und erfordert äußerste Konzentration. Die Anwendungszeit war daher pro Tag auf etwa eine Stunde begrenzt. 

„Viel zuverlässiger“ sei der Einsatz von Augenbewegungskameras, räumt Birbaumer ein. Patienten mit ALS können irgendwann aber nicht einmal mehr ihre Augen bewegen und selbst diese Verständigungssysteme nicht mehr bedienen.

 

Source: https://www.aerzteblatt.de

Read 220 times Last modified on Freitag, 03 Februar 2017 13:45
Dr. Mariyet Zahedi Nik

I completed studies in two universities with two different majors at the same time(commercial management and software engineering). Then turned to my great love, medicine, by studying social working and nursing in Iran. After that I  immigrated to Austria and studied medical Informatics and Pharmacy in German in Vienna University .In 2011 and 2012 I was awarded as an Outstanding Student from” The students living abroad.” Due to some problems I had to stay and live in Iran for some years.  Having been here in Tehran only 3years, I am now finishing my education in Pharmacy in Shahidbeheshti University.

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